Der Stoff, aus dem Berlin gemacht ist: Industriedenkmale in Brandenburg

13. Juli bis 18. Dezember 1994

Ausstellung und Reisebuch

Stahlträger

Die Mark Brandenburg war jahrhundertelang das Rohstoffreservoir Berlins. Sie verfügte über die Stoffe, ohne die Berlins schnelles Wachstum zur Metropole nicht denkbar gewesen wäre: Sand, Kalk, Ton, Erze, Holz, Kohle, Wasser und landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Im Zuge der Erschließung der Ressourcen des Umlandes verbrauchte die entstehende Metropole einen beträchtlichen Teil dieser natürlichen Landschaft. Die Ausstellung und das zur Ausstellung erschienene Buch liefern Informationen über die Produktionsstätten Brandenburgs, die für Berlin konstituierenden Charakter hatten

Tonabbau bei Glindow um 1905
Tonabbau bei Glindow um 1905

Einige alte Ziegeleien, Glashütten und Kalköfen existieren bis heute als Industriedenkmale und viele zugleich in idyllischer Umgebung: mitten im Wald, von Pflanzen überwachsen, an Seen und Kanälen. Vorgestellt wurden weiterhin Industriedenkmale im Lausitzer Land der Braunkohle, im deutschen "Manchester" Forst an der Neiße, im "märkischen Wuppertal" Eberswalde-Finow und in den Stahlstädten Brandenburg und Eisenhüttenstadt.

 Das Projekt veranschaulichte darüberhinaus, wie sich Berlin nicht nur der Bodenschätze Brandenburgs bemächtigte, sondern im Gegenzug Abfälle und Abwässer dorthin entsorgte. Müllkippen und Rieselfelder wurden ihrerseits in den Stadt-Land-Kreislauf einbezogen: als Agrarflächen für die Versorgung der Stadt mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. So entstanden die Stadtgüter: Bauernhöfe, die sich heute wieder im Besitz des Berliner Senats befinden. Die "unverbrauchten" Landschaften blieben Projektionsfläche für Natursehnsucht und Lebensreformideen, die in Reaktion auf Großstadtfrust entstanden. Die Gartenstadt Eden bei Oranienburg war ein frühes Beispiel dafür.

 Das historische Wechselverhältnis zwischen Berlin und der Mark geriet besonders ins Blickfeld, nachdem die Insellage West-Berlins der Vergangenheit angehörte. Die noch vorhandenen Sachzeugen märkischer Industrie- und Agrargeschichte sowie einige brandenburgische Spezialmuseen können sich als Schlüssel für das Verständnis der Entwicklung Berlins zur Industriemetropole erweisen. An den erhaltenen technischen Denkmalen läßt sich ablesen, wie die Erschließung der Rohstoffe, die Primärindustrie des Umlandes und der Bau der Transportwege (für Schiff, Eisenbahn und Kraftwagen) die notwendigen Voraussetzungen dafür schufen. Daß der Besuch der ausgewählten industriearchäologischen Sehenswürdigkeiten in ganz besonderer Weise auch die Natur und die Kultur der Mark einschließt, gehörte zu den Überraschungen, die Buch und Ausstellung dem Leser eröffneten.