D-Heim Materialien

1. Bestimmung des D-Heimes

 

 

 

Artikel der Berliner Zeitung von 1946, indem über die Arbeit des Hauptpflegeamtes berichtet wird. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, standen vor allem die lebensnotwendigsten Bedürfnisse Unterkunft, Kleidung und Nahrung im Mittelpunkt der Arbeit. Frühzeitig werden hier aber auch die grundsätzlichen Überlegungen für die Errichtung von Durchgangsheimen als Erziehungseinrichtungen deutlich. Die Einordnung von elternlosen, durch den Krieg traumatisierten Kindern und Jugendlichen als erziehungsschwierig in der SBZ, wie der späteren DDR, zeigt sich insbesondere in dem Verweis auf Gefängnisse, sollten die Jugendlichen nicht in den Heimen erzogen werden.

Quelle: Berliner Zeitung v. 30.04.1946, S. 2.

 

 

Zeitungsbericht zur Tagung der Kultusminister in der Sowjetischen Besatzungszone und ihrem Beschluss Durchgangsheime für obdachlose Jugendliche einzurichten. Dieser Beschluss war die Grundlage für die Entstehung des Heimsystems der späteren DDR-Jugendhilfe.

Quelle: Neues Deutschland v. 31.01.1948, S. 3.

 

 

Beschreibung der Funktion der Jugendhilfestelle in der Magazinstr., einem direkten Vorgängerheim von Alt-Stralau, mit der Anzahl der aufgenommenen Jugendlichen im Geschäftsverteilungsplan des Hauptjugendamtes Berlin vom 15.12.1949.

Quelle: Landesarchiv Berlin, BLArch C Rep. 120 Nr. 94 Bl. 115.

 

Übersicht der Heimstandorte in der ehemaligen DDR zwischen 1949-1989.

Quelle: Auszug aus Vorlagen zur Berichterstattung der D-Heime zu Kapazität und Belegung, Bundesarchiv BArch DR 2/12264 DR 2/K998.


2. Die ins D-Heim eingewiesenen Kinder und Jugendlichen

 

 

Interne Statistik der Staatssicherheit zur Belegung des D-Heimes Alt-Stralau zwischen 1980 und dem 1. Halbjahr 1984. „Entweichungen“ steht hier für die Flucht von Kindern und Jugendlichen aus anderen Heimen, die gefasst und ins D-Heim gebracht wurden (vgl. 2.) oder von zu Hause ausgerissen sind (3.). (6.) „Rückführungen in KA“ (=Kapitalistisches Ausland), waren Kinder oder Jugendliche aus  dem Westen, die in der DDR festgenommen und wieder in die BRD zurückgebracht wurden. (7.)“Sofortherausnahmen“ steht für die Überführung von Kindern und Jugendlichen des D-Heimes in ein Gefängnis oder den geschlossenen Jugendwerkhof Torgau oder andere Spezialheime. Auch Zwangsadoption oder die Überweisung in ein normales Kinderheim konnte unter diese Kategorie fallen, wenn die Eltern in den Westen geflohen waren, im Gefängnis saßen oder verstorben sind.

Quelle: Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi Unterlagen BStU MFS BV Bln Abt. XX Nr. 5281 Bl. 22 (BStU Zählung).

 

Auszug aus einem Bericht des Ministeriums für Staatsicherheit(MfS) zu einem Jugendlichen im Durchgangsheim. Explizit wird hier die Isolationszelle als Strafinstrument erwähnt.

Quelle: Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi Unterlagen, BstU MFS BV Bln AKAG 2224/71 Bl. 74

 

Auszug aus einem MfS -Bericht vom 01.11.1969 über Insassen mit „pazifistischen Ansichten“ und „interessanten Verbindungen“ nach Westberlin.  Seine nicht systemkonforme Weltanschauung reichte hier als Einweisungsgrund und die Beobachtung durch die Staatssicherheit aus.

Quelle: Behörde für des Bundesbeauftragten für die Stasi Unterlagen: BstU MFS BV Bln AKAG 2224/71 Bl. 112/13.

 

 

Auszug aus einem Verhörbericht der Staatssicherheit einer im D-Heim Alt-Stralau inhaftierten Schülerin vom 01.04.1970.

Quelle: Behörde für des Bundesbeauftragten für die Stasi Unterlagen: BstU MFS BV Bln AKAG 2224/71 Bl. 118.


 

MfS-Bericht über die in Alt-Stralau eingewiesene westdeutsche Eva Frömming aus Hamburg, deren Eltern als Fluchthelfer verhaftet wurden. Die Familie Frömming war an mehreren erfolgreichen Fluchthilfeaktionen beteiligt, bei denen Sie jeweils einen Familienurlaub in der DDR vortäuschten. Bei einer weiteren Fluchthilfeaktion wurden die Frömmings 1978 verhaftet. Eva Frömming wurde von ihren Eltern getrennt und für mindestens vier Wochen in Alt-Stralau inhaftiert.

Quelle: Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi Unterlagen, BstU MFS/XV/1638/78.


3. Heimunterbringung und Arbeitsverpflichtung

 

Bericht über die schwere Verletzung eines Minderjährigen durch den Erzieher „Horst S.“ „Horst S.“ wurde fristlos entlassen, dies war allerdings eine Ausnahme, i.d.R. wurden Berichte über die Misshandlung von Jugendlichen durch die Erzieher ignoriert und blieben der Öffentlichkeit verborgen.

Quelle:  Auszug aus „Fristlose Entlassung des Erziehers Horst S. des Aufnahme- und Durchgangsheimes Alt-Stralau.“ Landesarchiv Berlin, LAB C-Rep. 100-05 Nr. 1493.

 

Schockiert äußern sich 1974 Mitglieder der Arbeiter- und Bauerninspektion über die Zustände im D-Heim Alt-Stralau. An den Zuständen änderte dies jedoch wenig.

Quelle: Auszug aus Bericht der Arbeiter-  und Bauerninspektion vom 05.04.1974. Landesarchiv Berlin, LAB C-Rep. 307 Nr. 89 Bl. 5.

 

 

Auszüge aus der zehnseitigen Eingabe des Erziehers Rüdiger Chaldeck zu den Misshandlungen im D-Heim Alt-Stralau vom 18.08.1986 beim Berliner Magistrat. Chaldeck wurde nach diesem Bericht fristlos entlassen.

Quelle: Bundesarchiv, BArch DR 2/51103 Teil 2 S. 2f.

 

Auszug aus Geschäftsbericht der VEB Venetia zum Einsatz von Jugendlichen aus Alt-Stralau in der Produktion von 1959. Auch der Einsatz vom Minderjährigen war dabei keine Seltenheit, was auch gegen geltendes Recht in der DDR verstieß.

Quelle: Landesarchiv Berlin, LAB C-Rep. 147-06 Nr. 75 S. 2.

 

Interne Feststellung der VEB Kosmetik an das Ministerium für Staatssicherheit bzgl. Einsatz von Jugendlichen des D-Heimes in der Produktion.

Quelle: Landesarchiv Berlin, LAB C Rep. 422 Nr. 99, S. 4.

 

Das Gebäude

Durchgangsheim Alt-Stralau 34, Eingangsschild im Dezember 1989, Foto: Jarmyla Raymund.

Selten wurde so deutlich der Grund für Baumaßnahmen formuliert wie hier unter Punkt b.): „dem Freiheitsdrang (...) entgegen zu wirken“ in Bezug auf den Bau einer Hofmauer.

Quelle: Auszug aus Schreiben an die Bauaufsicht Magistrat des Stadtbezirks Berlin Friedrichshain v. 13.01.1958 „Betr. Errichtung von Leichtbauwänden im I. O.G. und Abgrenzungsmauer auf dem Hof“, Bauakten Alt-Stralau 34, Plankammer Friedrichshain/Kreuzberg.

 

Grundrissplan der Isolationsräume im Parterre des D-Heimes.

Quelle: Brenne Architekten 1998.

 

Isolationszelle 1 im D-Heim. Oft und willkürlich über mehrere Tage wurden einzelne Kinder und Jugendliche des D-Heimes in diese Isolationszellen gesperrt.

Quelle: Brenne Architekten 1998.