Letters of Stone

28. Juni bis 15. Oktober 2017

28. Juni bis 15. Oktober 2017

„Letters of Stone“ - Das Schicksal einer jüdischen Familie in Berlin

Hoffnung, Angst, Resignation und Verdrängung – das sind die Gefühlslagen der Familie Robinski, in den bis heute erhaltenen Briefen von Berlin nach Südafrika in den Jahren 1936 bis 1943.

Während des Nationalsozialismus emigrierten zwei Brüder der Familie: Herbert Robinski gelang 1936 die Ausreise nach Südafrika, seinem Bruder Artur Robinski 1938 die Emigration nach Nordrhodesien (heutiges Sambia). Mit ihren in Berlin- Kreuzberg und Mitte zurückgebliebenen Eltern und Geschwistern blieben beide über Briefe und Telegramme in Kontakt. Alle Versuche, den zurückgebliebenen Angehörigen doch noch die Ausreise aus Deutschland zu ermöglichen und sie vor dem Holocaust zu retten, scheiterten sowohl an den Gesetzesverschärfungen gegen Juden in Deutschland als auch an der Einwanderungspolitik Südafrikas.

Erhalten geblieben sind die Briefe aus Berlin. Sie geben einen privaten Einblick in die Welt einer gezwungenermaßen in die Welt versprengten Familie und den Alltag von Juden im nationalsozialistischen Berlin.

Steven Robins, der Sohn von Herbert Robinski, der 1936 nach Südafrika geflohen war, erforschte die Spuren seiner Vorfahren und publizierte dazu 2016 in Südafrika das Buch „Letters of Stone“. Darin erzählt er zum einen die Geschichte der Robinskis anhand der erhaltenen Briefe und seiner eigenen Nachforschungen. Zum anderen zeigt er in seinem Buch erschreckende Verbindungen zwischen der Rassenideologie der Nationalsozialisten und dem wachsenden Antisemitismus im Südafrika der 1930er Jahre auf.

So führten insbesondere die 1908 entstandenen Studien des „Rassenhygienikers“ Eugen Fischer über „Rassenkreuzungen“ im kolonialen Deutsch-Südwestafrika dazu, dass die Einreise vieler deutscher und europäischer Juden nach Südafrika unmöglich wurde.

Die Ausstellung versteht sich als Synthese aus den erhaltenen Briefen, den Nachforschungen von Steven Robins und seinem Buch. Sie zeigt die direkten Auswirkungen antijüdischer Verordnungen und Gesetze anhand des Schicksals einer jüdischen Familie und setzt sie in den Kontext der systematischen Diskriminierung, Vertreibung und Auslöschung jüdischen Lebens im nationalsozialistischen Berlin der 1930er und 1940er Jahre.

Ein Ausstellungsprojekt der Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e.V. in Kooperation mit dem FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum und Steven Robins. Gefördert aus Mitteln des Bezirkskulturfonds Friedrichshain-Kreuzberg.

Edith (links) und Hildegard (rechts), mit ihrer Mutter Cecilie Robinski, die bis zu ihrer Deportation in Berlin lebten, Foto: Berlin 1938, Robins family archives
Edith (links) und Hildegard (rechts), mit ihrer Mutter Cecilie Robinski, die bis zu ihrer Deportation in Berlin lebten, Foto: Berlin 1938, Robins family archives