Freitag, 24. Februar 2017, 19:00 Uhr

„Daughters and Sons of Gastarbeiters“ - Geschichte(n) von damals ...  l  Dachgeschoss

Zum Abschluss ihrer Ausstellung „Alman Geschichteler – Gastarbajteri erzählen“ (verlängert bis 26.02.2017) hat das Kollektiv Gegennarrative Gäste eingeladen: Die „Daughters and Sons of Gastarbeiters“ ist ein offenes Literaturprojekt von Berliner Autorinnen und Autoren. Sie folgten ihren Eltern aus den Dörfern Anatoliens, Südeuropas, des Balkans nach Deutschland oder kamen in einem Arbeiterviertel der Bundesrepublik zur Welt. Ihre Väter und Mütter sollten in Deutschland als „Gastarbeiter“ den Wirtschaftsaufschwung beflügeln. Ihr Kapitel ist ein wichtiger Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte. Höchste Zeit, ihren Erinnerungen ein Forum zu bieten! Die Töchter und Söhne blicken zurück: In Lesungen erzählen sie persönliche Geschichten und lassen sie mit Bildern aufleben. Die erzählten Geschichten sollen einerseits einen Beitrag zur Erinnerungskultur in Deutschland leisten und damit das Selbstverständnis der Einwanderer in der deutschen Gesellschaft festigen. Andererseits sollen sie andere animieren, sich dem Projekt mit ihren eigenen Erfahrungen anzuschließen.

Es Lesen:
Nusrat Sheikh, Zoran Terzic, Semra Deniz, Jamsin Karahan,
Serkan Deniz

 

IBA-Plakat 1983
IBA-Plakat 1983

Donnerstag, 9. März 2017, 19:30 Uhr

IBA, S.T.E.R.N und die Folgen l Dachgeschoss des FHXB Museums

Behutsame Stadterneuerung und Bürgerbeteiligung in den 1980er Jahren
Gespräch mit Theo Winters und Volker Härtig

In Vorbereitung der Internationalen Bauausstellung IBA 84 wurde seit Anfang der 1980er Jahre in Berlin diskutiert, wie die Stadt der Zukunft aussehen kann. Aus der IBA ging 1985 die Gesellschaft für behutsame Stadterneuerung mbH S.T.E.R.N hervor, die die Stadterneuerung nach den Standards der IBA im Altbaugebiet von Kreuzberg weiterführte. In dieser Zeit wurden stadtplanerische, architektonische und planungspolitische Denkanstöße gegeben, die weltweit Aufmerksamkeit erregten. Vor allem weil in Kreuzberg Bewohner*innen und andere Beteiligte in die Planungsprozesse einbezogen wurden und Modernisierung und Umnutzung vor Abriss und Neubau rangierten.
Ein großer Teil der Archive von IBA und S.T.E.R.N wurde in den letzten Jahren vom FHXB Museum digitalisiert. Sie sind heute über die Plattformen „museum digital“ und „Deutsche Digitale Bibliothek“ zugänglich, in Kürze auch über die Homepage des FHXB Museums. Eine Auswahl der Materialien wollen wir an diesem Abend zeigen, darunter Gutachten, Plakate, Zeitschriften und Broschüren. Über die Arbeit von IBA und S.T.E.R.N werden wir mit Theo Winters (Geschäftsführer der S.T.E.R.N GmbH) und Volker Härtig (Vorsitzender des Fachausschusses Soziale Stadt der SPD Berlin) sprechen. Beide gehörten damals – mit sehr unterschiedlichen Aufgaben und Rollen – zu den Akteuren der Stadterneuerung.

Donnerstag, 23. März 2017, 19:30 Uhr

„Jetzt ist die Zukunft von gestern“(#10) l Dachgeschoss des FHXB Museums

Freie Radikale: Performance jenseits von Komfortzonen – eine Versuchsanordnung mit Wolfgang Müller & Frank Castro aka Papst Pest
Die Performance hat viele verstörende Facetten, ihr Autonomieanspruch ist immens. Keine Grenzen zwischen Leben & Performance, Zuschauern & Künstlern, Trash & Schönheit. Ein Freiraum ohne Tabus, nur Grenzerweiterungen, ein Fanal gegen den Mainstream und Erwartungen auch innerhalb der Subkultur. Natürlich verortet im West-Berlin der Achtzigerjahre, Kreuzberg SO36. Wolfgang Müller, das „einzige noch
existierende Dauerschleifgetriebe der Künstlergruppe "Die Tödliche Doris“ (1980–1987) hat mit seinem Epochenwerk „Subkultur Westberlin 1979–1989. Freizeit“ denen eine Erinnerung bewahrt, die hier als Künstler*innen ohne Werk, eben Performer unterwegs waren: Käthe B., Sunshine etc. Die Momente der Selbstzerstörung immer im Blick. Die Orte verloren: Frontkino, endart, Unart, da sitzen heute Kaffeeröstereien, Burgerläden oder Frisöre drin. Allein in der queeren Subkultur scheint noch eine Nische. Aber es gibt sie noch, die brennende Lunte, die Show, die verstört und polarisiert und Körpergrenzen auslotet. Frank Castro aka Papst Pest ist so eine Erscheinung. Der internationale Performance-Künstler und DJ, Kurator des Basler Go!C! ART Festivals, ist bekannt und berüchtigt für seine absurden, surrealen Auftritte. Come and see!
Danach ist nichts mehr wie vorher. Lesung, Film, Musik, Live-Act.
Moderation: Erik Steffen

Killertomaten, Foto: Frank Castro
Killertomaten, Foto: Frank Castro
Audre Lorde, Foto: K. Kendall, CC BY 2.0
Audre Lorde, Foto: K. Kendall, CC BY 2.0

Donnerstag, 30. März 2017, 19:30 Uhr

Filmvorführung „Audre Lorde – The Berlin Years 1984 to 1992“  l  Dachgeschoss des FHXB Museums

Audre Lorde, bedeutende afrikanisch-amerikanische Schriftstellerin und Ikone in den afrikanisch-amerikanischen und lesbischen feministischen Bewegungen in den USA, kam 1984 aus New York zur deutschsprachigen Veröffentlichung ihrer Werke und als Gastprofessorin an die FU nach Berlin. Durch ihre vielschichtige persönliche Identität geprägt, sprach Audre Lorde immer wieder von einem konstruktiven und zugewandten Umgang mit Unterschiedlichkeiten zwischen Menschen und davon, diese zu nutzen, Brücken zu bauen, sich der eigenen Macht bewusst zu werden und sie einzusetzen. „Audre Lorde - The Berlin Years 1984 to 1992“ erzählt von dieser Perspektive Audre Lordes und ist ein einzigartiges filmisches Zeitdokument über die Aufenthalte der Schriftstellerin in Deutschland.
Ein wenig beachtetes Kapitel ihres Lebens sind diese Jahre, in denen Audre Lorde Schwarze Deutsche inspirierte, ihre Identität mit Stolz einzufordern. Afro-Deutsche folgten Audre Lordes Einladung, einander kennenzulernen, mit Schriften an die Öffentlichkeit zu treten und Netzwerke zu bilden. Gleichzeitig ermutigte Lorde die weiße feministische Bewegung, Privilegien zu erkennen und konstruktiv mit Unterschieden umzugehen.
„Audre Lorde - The Berlin Years 1984 to 1992“ hatte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2012. Bis 2016 ist der Film auf 68 Filmfesten weltweit gelaufen und wurde bei hunderten Veranstaltungen und Konferenzen gezeigt.
Die Regisseurin Dagmar Schultz und Ika Hügel-Marshall (Co-autorin des Scripts und eine Protagonistin des Films) werden im Anschluss an die Filmvorführung mit dem Publikum sprechen.