Wagenburg leben in Berlin

31. August bis 16. November 2008

Foto: Ralf Marsault
Foto: Ralf Marsault
Foto: Silvio Salzmann

In den 1980er Jahren entstand zunächst in Kreuzberg ein neues Phänomen: junge Menschen ließen sich mit ihren Bauwagen im Schatten der Berliner Mauer nieder und belebten eine in Berlin wenig bekannte Form des Siedlungswesens mit wenig Komfort und viel Freiraum. Der Begriff der »Wagenburgen« war schnell gefunden. Die Nachbarn reagierten auf diese Ansiedlungen mit Skepsis oder gar mit offener Ablehnung, war das halbnormadische Leben in diesen Freiräumen für viele befremdlich und undurchschaubar. Viele dieser Wagenburgen mussten inzwischen weichen, einige bestehen bis heute.

Die Ausstellung, die von X-Dorf, der Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch und dem Kreuzberg Museum gemeinsam vorbereitet wurde, gab einen Überblick über ihre Geschichte und einen Einblick in den alternativen Lebensstil der Rollheimer: Präsentiert wurden Fotografien, Videofilme, Hörstationen mit Interviews, Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus den Wagenburgen. Inszenierungen vertieften das Bild. Schautafeln gaben Informationen über die Entwicklung einzelner Siedlungen. Ein Stadtplan zeigte die Wagenburgen Köthener Straße, Waldemarplatz, Kinderbauernhof, X-Dorf (Mariannenplatz), Schwarzer Kanal, KØPI, Skalitzer Straße, Lohmühlenstraße, East-Side-Gallery, Am Friedrichshain, Hänger & Laster (Revaler Straße), Convoy (Rigaer Straße), Fipps (Ostkreuz), Wuhlheide, Wopside, Neukölln und Karow.

Ziel des Projekts war, den Geist des Wagenburglebens einzufangen, die Bewohner in ihren Lebenszusammenhängen vorzustellen und die unsichtbaren Barrieren zwischen den Rollheimern und den sesshafteren Bürger/innen zu beseitigen und damit für gegenseitigen Respekt zu werben.