Mit der Verlegung von Stolpersteinen wurde 13:00 Uhr in der Taborstraße 11 an Eduard Zeiner und Betty Zeiner erinnert.
Eduard Zeiner kam 1869 in Jungbunzlau (damals Habsburgerreich, heute in Tschechien) zur Welt. Er ergriff den Beruf des Kaufmanns und übersiedelte um 1900 nach Berlin. Er heiratete 1903 Betty Friedmann, geb. 1872 in Stallupönen (damals Ostpreußen, heute in Russland). Das Ehepaar Zeiner wohnte zunächst im Prenzlauer Berg. 1909 zogen sie in das Haus Taborstraße 11, wo sie über 30 Jahre wohnten. Sie betrieben ein Herrenmoden-Geschäft in der Wrangelstraße 42. Betty und Eduard Zeiner wurden wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit am 3. Oktober 1942 mit dem sogenannten „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Die unsäglichen Lebensbedingungen im Ghetto überstand Eduard Zeiner keine vier Wochen: Er starb am 29. Oktober 1942 im Alter von 73 Jahren. Betty Zeiner kam am 8. Februar 1943 ums Leben. Sie starb an einer im Ghetto grassierenden Darmerkrankung, die eine Folge der katastrophalen hygienischen Bedingungen, vollkommen unzureichender Wohnverhältnisse und der Unterernährung war.
Der Stolperstein für Alfred Zitrin wurde von einer engagierten Nachbarin initiiert.
In der Manteuffelstraße 21 wurde 13:30 Uhr mit einem Stolperstein Joseph Abraham gedacht.
Joseph Abraham kam 1884 in Posen zur Welt. Er erlernte den Beruf des Tapezierers und heiratete Helene Breslauer, geb. um 1881. Es ist nicht bekannt, ob das Ehepaar Kinder hatte. Nachdem Posen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an Polen abgetreten wurde, übersiedelte Joseph Abraham nach Berlin. Seit 1921 wohnte das Ehepaar im Prenzlauer Berg. Helene Abraham starb 1928 im Alter von 47 Jahren.
Joseph Abraham heiratete 1929 Rosa Kiwi, geb. 1896 in Obersitzko (Provinz Posen). Um 1934 zog das Ehepaar in die Manteuffelstraße 21. Für Rosa Abraham gibt es dort bereits einen Stolperstein. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen das jüdische Ehepaar Abraham. 1939 mussten die Abrahams ihre Wohnung in der Manteuffelstraße 21 verlassen und in ein Zimmer zur Untermiete in der Köpenicker Straße 25a ziehen. Joseph Abraham musste Zwangsarbeit als Polsterer in einer Matratzenfabrik leisten. Seine Frau Rosa Abraham war bei Siemens & Halske in Charlottenburg zwangsverpflichtet. Joseph Abraham wurde am 3. März 1943 mit dem sogenannten „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Seine Frau Rosa Abraham wurde bereits zwei Tage vorher dorthin verschleppt. Beide wurden vermutlich unmittelbar nach der Ankunft in einer der Gaskammern des Lagers ermordet.
Die Patin für den Stolperstein für Joseph Abraham ist eine engagierte Nachbarin.
13:55 Uhr wurde in der Naunynstraße 69 ein Stolperstein zur Erinnerung an Paul Kitt verlegt.
Der Tischler Paul Kitt, geb. 1885 in Berlin, wohnte mit seiner Frau Martha und zwei Söhnen (geb. 1925 und 1927) seit 1934 in der Naunynstraße 69. Paul Kitt hatte sich 1930 als Bibelforscher – seit 1931 Zeugen Jehovas genannt – taufen lassen. Im Juni 1933 wurden die Zeugen Jehovas wegen ihrer Widerständigkeit von den Nazis verboten. Paul Kitt übte seine Religion und die Missionsarbeit fortan illegal aus. Am 13. November 1936 wurden er und weitere Zeugen Jehovas von der Gestapo verhaftet. Er kam in das KZ Sachsenhausen, wo er schwere Zwangsarbeit leisten musste. Am 27. April 1937 wurde Paul Kitt vom Landgericht Berlin wegen seiner Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, die er im Gefängnis Plötzensee verbüßte. Nach dem Ende seiner Haft wurde er allerdings nicht entlassen, sondern – wie viele andere Regimegegner – in sogenannter „Schutzhaft“ behalten. Paul Kitt wurde zunächst in das KZ Sachsenhausen überstellt, von dort am 29. August 1940 in das KZ Dachau und am 23. Januar 1941 in das KZ Hamburg-Neuengamme verschleppt. Dort kam Paul Kitt am 12. Februar 1942 im Alter von 57 Jahren ums Leben. Geschwächt durch schwere Zwangsarbeit, mangelhafte Ernährung, schlechte hygienische Bedingungen und unzureichende Kleidung verstarb er nach mehr als 5 Jahren in Haft. Das Urteil des Landgerichts Berlin gegen Paul Kitt wurde 1951 auf Antrag seiner Witwe postum aufgehoben.
Die Patin des Stolpersteines für Paul Kitt ist eine Angehörige.
Für Ida Pariser und Johanna Pariser wurden 14:15 Uhr in der Naunynstraße 51 zwei Stolpersteine verlegt.
Ida Pariser kam 1872, ihre Schwester Johanna 1878 in Gnesen in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt. Die Familie übersiedelte Mitte der 1880er Jahre nach Berlin. Nach dem Tod der Eltern zogen Ida und Johanna Pariser um 1911 nach Charlottenburg. Johanna Pariser arbeitete als Expedientin, sie war also für das Kassen- und Rechnungswesen sowie für die Aktenverwaltung einer Institution zuständig. Ida Pariser führte vermutlich den Haushalt. Seit 1936 wohnten die Schwestern in der Naunynstraße 51. Als Jüdinnen wurden Ida und Johanna Pariser am 1. November 1941 vom Bahnhof Grunewald mit dem sogenannten „4. Osttransport“ in das Ghetto Lodz deportiert. Die Lebensbedingungen dort waren unmenschlich. Ida Pariser kam am 24. August 1942 ums Leben. Johanna Pariser wurde am 10. September 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und ermordet. Zwei weitere Schwestern von Ida und Johanna Pariser wurden ebenfalls in der Shoah ermordet.
Eine engagierte Nachbarin initiierte die Stolpersteine für Ida und Johanna Pariser.
Ein Stolperstein in der Bergfriedstraße 6, 14:45 Uhr wurde an Ilse Kohn erinnern.
Ilse Kohn wurde 1901 als Tochter des Kaufmanns Isidor Kohn und dessen Ehefrau Elise, geb. Wohl, geboren. Die jüdische Familie lebte im damaligen Westpreußen und übersiedelte um 1920 nach Berlin. Ilse Kohn arbeitete als Hausangestellte, als Verkäuferin sowie in der Landwirtschaft. Am 26. Mai 1933 brachte sie ihre Tochter Gisela zur Welt und lebte mit ihr bei ihren Eltern in der damaligen Fürstenstraße 15 (heute Bergfriedstraße 6). In den späten 1930er Jahren war Ilse Kohn als Wäscherin im Jüdischen Krankenhaus Berlin beschäftigt. Im März 1939 wurde sie von der Gestapo wegen sogenannter „Rassenschande“ verhaftet und im Juni 1939 in das KZ Ravensbrück verschleppt, wo sie schwere Zwangsarbeit in einem Steinbruch verrichten musste. Ilses Vater versuchte sie freizubekommen. Nach vielen Bemühungen gelang es der Jüdischen Gemeinde Berlin Ilse Kohn eine Stellung als Hausangestellte in England zu beschaffen. Sie wurde daraufhin Anfang Juli 1939 aus dem KZ entlassen und wanderte einige Tage später nach England aus. Ihre Tochter Gisela konnte sie nicht mitnehmen, diese blieb bei Ilses Kohns Eltern. Isidor, Elise und Gisela Kohn wurden nach Theresienstadt bzw. Auschwitz deportiert und ermordet. Für sie gibt es bereits Stolpersteine.
Ilse, seit 1952 verheiratete Dawidow, ist 1987 in England gestorben. Sie ist über die Ermordung ihrer Tochter, ihrer Eltern und ihre eigenen Erlebnisse im KZ Ravensbrück nie hinweggekommen.
Die Paten des Stolpersteins für Ilse Kohn sind engagierte Kreuzberger*innen
In Erinnerung an Ewald Coper, Minna Coper, Heinz Coper und Ruth Coper wurden um 15:10 Uhr am Fraenkelufer 40 (ehemals Thielschufer) Stolpersteine verlegt.
Der Kaufmann Ewald Coper war 1892 und seine Frau Minna, geb. Zadek, 1901 in Crone a.d. Brahe in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt gekommen. Das jüdische Ehepaar zog Anfang der 1920er Jahre nach Elbing, südöstlich von Danzig und nahe der Ostseeküste gelegen, wo 1920 Sohn Heinz und 1923 Tochter Ruth geboren wurde. Die Familie Coper verließ 1933 wegen zunehmenden Antisemitismus die Stadt und zog nach Berlin und wohnte am Kottbusser Ufer 61 (heute Fraenkelufer 40.) Die Familienmitglieder wurden am 27. Februar 1943 Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“. Dabei wurden Juden und Jüdinnen, die bis dahin der Deportation entgangen waren, weil sie in kriegswichtigen Betrieben zwangsbeschäftigt waren, verhaftet und deportiert.
Ewald, Minna, Heinz und Ruth Coper wurden am 3. März 1943 mit dem sogenannten „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Die Stolpersteine für Ewald Coper, Minna Coper, Heinz Coper und Ruth Coper wurden von mehreren engagierten Nachbar:innen initiiert.
Mittwoch, 6. April 2022 – 15 Stolpersteine
Route
Mit der Verlegung eines Stolpersteines wurde um 9:00 Uhr in der Wilhelmstraße 15 an Edith Birnbaum gedacht.
Edith Birnbaum kam am 23. Januar 1900 in Charlottenburg zur Welt. Nach der Trennung ihrer Eltern 1903 lebte sie bei ihrer Mutter.
Edith Birnbaum bezog um 1930 eine eigene Wohnung in der Wilhelmstraße 138 in Kreuzberg. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Sekretärin und Stenotypistin. Seit etwa 1934 wohnte sie in der Wilhelmstraße 15. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Edith Birnbaum, da sie Jüdin war. Edith Birnbaum versuchte wahrscheinlich an ihrem 42. Geburtstag Selbstmord zu begehen und starb am 24. Januar 1942 im Jüdischen Krankenhaus Berlin an einer Schlafmittelvergiftung. Ihre Mutter wohnte zuletzt in Charlottenburg zur Untermiete. Sie wurde am 17. August 1942 nach Theresienstadt deportiert, dort kam sie am 27. Oktober 1942 ums Leben.
Der Stolperstein für Edith Birnbaum hat eine Angehörige initiiert.
In der Großbeerenstraße 5 wurde 9:25 Uhr der Stolperstein für Carl Jachmann, der beschädigt wurde, ersetzt. Die Biografie von Carl Jachmann ist veröffentlicht auf https://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/1913
An Max Hanff, Alma Hanff, Gustav Hanff und Dolly Hanff erinnern in der Alten Jakobstraße (gegenüber der Einmündung Franz-Künstler-Straße), 9:55 Uhr vier Stolpersteine.
Gustav Hanff kam 1887, sein Bruder Max 1888 in Zielenzig in der damaligen Provinz Brandenburg, etwa 40 km östlich von Frankfurt (Oder), zur Welt. Um 1902 übersiedelte die Familie Hanff nach Berlin. Gustav und Max Hanff absolvierten eine kaufmännische Ausbildung. Alma Abbe kam 1893, ihre Schwester Dolly 1894 in Kempen in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt. Um 1911 übersiedelte die Familie Abbe nach Berlin. Der Vater führte in der Lindenstraße 29 ein Uhren- und Goldwarengeschäft, in dem auch die Töchter arbeiteten. 1921 heirateten Max Hanff und Alma Abbe und 1922 wurde ihr Sohn Siegfried geboren. Dolly Abbe und Gustav Hanff heirateten 1923. Um 1932 zogen die Hanffs in die Hollmannstraße 26. Diese Straße existiert nicht mehr, sie verlief zwischen der Linden- und der Alexandrinenstraße. Das Haus Nr. 26 stand einst dort, wo sich heute das Gelände des Jüdischen Museums Berlin befindet. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die jüdische Familie Hanff. Siegfried Hanff wanderte Anfang 1939 nach Palästina aus. Max Hanff verstarb im März 1940. Gustav Hanff musste bei Blaupunkt in der Köpenicker Straße, Dolly bei AEG in Oberschöneweide, Alma bei einer Gärtnerei in Rudow Zwangsarbeit leisten. Sie wurden am 26. Februar 1943 mit dem sogenannten „30. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Die Stolpersteine für Max Hanff, Alma Hanff, Gustav Hanff und Dolly Hanff wurden auf Initiative einer Angehörigen verlegt.
An Theodor Weiss wurde mit der Verlegung eines Stolpersteines um 10:30 Uhr in der Oranienstraße 129 (Ostecke Alexandrinenstraße) erinnert.
Theodor Weiss kam 1874 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern zur Welt. Er wuchs bei Pflegeeltern auf und wurde evangelisch erzogen. Als Jugendlicher schloss er sich einer Gruppe von Artisten an, später war er Fabrikarbeiter, Humorist, Verwandlungskünstler und Gelegenheitsarbeiter. 1901 heiratete er, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Ab 1916 lebte Theodor Weiss von seiner Frau getrennt, die Ehe wurde 1929 geschieden. Theodor Weiss nahm am Ersten Weltkrieg teil. 1924 ging er eine Beziehung mit Klara Schröter ein, aus der drei Kinder hervorgingen. Mitte der 1930er Jahre wohnten sie in der Oranienstraße 129 in Kreuzberg (das Haus existiert nicht mehr). Durch den Erlass der „Nürnberger Gesetze“ 1935 wurden Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Da Klara Schröter sogenannte „Arierin“ war, wurde Theodor Weiss im Oktober 1936 verhaftet und im Februar 1937 wegen sogenannter „Rassenschande“ zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde nach dem Ende seiner Haft in das KZ Dachau überstellt und erst Ende September 1938 entlassen. Im August 1941 wurde Theodor Weiss erneut festgenommen und im November 1941 nach Buchenwald überstellt. Im Januar 1942 wurde er zu einer Strafe von 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Theodor Weiss wurde am 6. Januar 1943 aus der Haft entlassen und nach Auschwitz deportiert, wo er am 30. Januar 1943 ermordet wurde.
Die Patin für den Stolperstein für Theodor Weiss ist eine Angehörige.
Um 10:55 Uhr wurde für Walter Owitz am Erkelenzdamm 11-13 ein Stolperstein verlegt.
Walter Owitz kam 1922 in Berlin zur Welt. Die Familie wohnte in der Alexandrinenstraße 37. Sein Vater betrieb eine Toilettenartikel-Fabrikation und handelte mit Kamm- und Bürstenwaren. Um 1936 zog die Familie in das Haus Elisabethufer 28-29 (heute Erkelenzdamm 11-13). Nach der Schule absolvierte Walter Owitz eine Lehre als Schlosser. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die jüdische Familie Owitz. Die Firma des Vaters wurde 1939 als jüdisches Unternehmen liquidiert. Wahrscheinlich um ihre Familie zu schützen, trat die konvertierte Mutter 1939 wieder aus der jüdischen Gemeinde aus. Walter galt trotzdem rechtlich als Jude, da er im jüdischen Glauben erzogen war. Zuletzt bewohnte Walter Owitz mit seinen Eltern in der Hauptstraße 76 in Friedenau zwei Zimmer zur Untermiete. Er war zur Zwangsarbeit als Schlosser und Elektriker in der Spinnstofffabrik Zehlendorf verpflichtet. Walter Owitz wurde am 31. Juli 1942 mit dem sogenannten „34. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Am 23. Januar 1943 wurde er von dort nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Sein Vater und seine Mutter erlebten das Kriegsende in Berlin.
Der Stolperstein für Walter Owitz wurde von einem engagierten Nachbarn initiiert.
Mit fünf Stolpersteinen wurden in der Skalitzer Straße 141a , 11:25 Uhr Max Jacobson, Charlotte Jacobson, Hans Jacobson, Rudolf Jacobson und Dolly Mölke bedacht.
Im Haus in der Skalitzer Straße 141a war der letzte Wohnort der jüdischen Familie Jacobson. Max Jacobson kam 1879 in Danzig zur Welt. Er siedelte nach Berlin über, studierte Architektur und arbeitete als Architekt. Er heiratete 1908 Charlotte Wotyzky, geb. 1888 in Berlin. Das Paar bekam drei Kinder: Rudolf (geb. 1908), Hans (geb. 1910) und Dolly (geb. 1911). Rudolf absolvierte eine Lehre als Elektriker und Kinovorführer, Hans als Grafiker und Buchdrucker. Dolly Jacobson, die Tänzerin war, heiratete 1934 den „Nicht-Juden“ Werner Mölke. Das Paar trennte sich bald wieder, ließ sich aber nicht scheiden. Dadurch war Dolly Mölke vor der Deportation geschützt. Max Jacobson wurde am 13. Juni 1938 von der Gestapo verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Am 3. September 1940 wurde er in das KZ Dachau deportiert, wo er am 4. Januar 1941 ermordet wurde. Charlotte Jacobson wurde am 12. Januar 1943 nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Danach tauchte ihr Sohn Rudolf unter, beschaffte sich falsche Papiere und lebte und arbeitete als „Arier“ in Berlin. Bei einer Kontrolle wurde er am 17. August 1944 verhaftet und am 6. September 1944 nach Auschwitz deportiert. Von dort wurde er am 19.11.1944 in ein Außenlager des KZ Buchenwald verschleppt. Er erlebte die Befreiung des Lagers. Hans Jacobson wurde am 7. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert, wo er am 2. Februar 1944 ermordet wurde. Rudolf Jacobson und Dolly Mölke wanderten nach dem Krieg in die USA aus.
Die Stolpersteine für Max Jacobson, Charlotte Jacobson, Hans Jacobson, Rudolf Jacobson und Dolly Mölke wurden auf Initiative eines Angehörigen verlegt.
Am Kottbusser Damm 5, 12:00 Uhr wurden für Selma Fichtmüller und Elli Blau Stolpersteine verlegt.
Selma Blau wurde 1874, ihre Schwester Elli 1881 in Berlin geboren.
Selma heiratete 1898 den Kaufmann Julius Fichtmüller. Zwei Söhne kamen 1899 und 1900 zur Welt und starben im Alter von wenigen Monaten. Das Ehepaar trennte sich und Selma zog zurück zu ihren Eltern in die Stallschreiberstraße 58.
Seit 1914 lebten Selma Fichtmüller und Elli Blau im Haus Kottbusser Damm 5. Beide Frauen waren berufstätig: Selma verdiente ihren Lebensunterhalt als Buchhalterin, Elli war Prokuristin. Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen seit 1933 begannen Zwangsmaßnahmen. Um sich einer drohenden Deportation zu entziehen, entschlossen sich die Schwestern zum Selbstmord: Sie wurden am 5. September 1942 in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Selma Fichtmüller und Elli Blau wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.
Die Patin für die beiden Stolpersteine für Selma Fichtmüller und Elli Blau ist eine Angehörige.
Recherchen und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg, bearbeitet von der Geschäftsstelle Gedenktafelkommission Friedrichshain-Kreuzberg.
Fotos: Astrid Schiemann / FHXB Museum